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Das Friedensdorf San José de Apartadó muss leben!
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12-04-06 14:20
Staatliche Sicherheitskräfte setzen unrechtmäßige Handlungen fort

By FRIEDENSGEMEINDE VON SAN JOSÉ DE APARTADÓ, KOLUMBIEN




In Anbetracht der Feindseligkeit und Willkür, mit der die staatlichen Sicherheitskräfte gegen die bäuerliche Bevölkerung und insbesondere die Friedensgemeinde von San José de Apartadó vorgehen, können wir nicht schweigen, sondern legen Zeugnis von den Geschehnissen ab:

In den Morgenstunden des 10. April [2006] begann die Polizei mit der Zerstörung der Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer, die unsere Gemeinde im Dorf San José de Apartadó errichtet hat.

· Am 2. und am 9. April führte die Polizei an der Ein- und Ausfahrt von San José Kontrollen durch. Dabei notierte sie den ganzen Tag die Namen der Bauern und registrierte die Waren, die sie mit sich führten. Auch stellte sie Fragen über die jeweiligen Personen und ihre Familien. Dies stellt eine nicht verfassungskonforme illegale Handlung dar.

· Am 31. März um 10 Uhr morgens kamen Angehörige der Polizei und der Armee zum Haus eines Mitglieds der Friedensgemeinde, das zehn Minuten vom Dorf entfernt liegt. Sie begannen, zu dem Mitglied unserer Gemeinde zu sagen, dass die Friedensgemeinde eine „Gemeinde von verdammten Guerilleros“ sei, dass sie der Reihe nach alle töten würden und dass es die Gemeindeführer gewesen seien, die in dem Weiler Arenas auf sie geschossen und einen Soldaten getötet hätten. Das würde ihnen teuer zu stehen bekommen. Da er zur Gemeinde gehöre, solle er den Führern ausrichten, dass sie arme Wichte seien; sie würden noch flehen, nie auf die Welt gekommen zu sein.[1] - Danach zogen Polizei und Militär ab.

· Am 29. März[2] um acht Uhr morgens sagten Armeeangehörige zu einem Mitglied unserer Gemeinde, das sich im Dorf San José aufhielt, dass unsere Gemeinde eine Guerilla-Gemeinde sei, und dass sie die Leute aus dem Weiler Arenas lebendig oder tot wegholen würden. Um elf Uhr morgens wiederholten sie dasselbe gegenüber einem anderen Gemeindemitglied am Ausgang des Dorfes.



Es ist offensichtlich, dass der Plan, uns mittels der Streitkräfte zu vernichten, weiter geht. Zweifelsohne werden diese Drohungen in die Tat umgesetzt, das beweisen unsere Opfer. Aber auch die Erinnerung soll ausgelöscht werden, wie immer ist dabei Willkür am Werk, denn dabei handelt es sich um Eigentum der Gemeinde. Auch der Zensus (das Registrieren von Namen und Personaldaten) geht weiter, obwohl dieses Vorgehen vom Verfassungsgerichtshof verboten wurde und die Polizei sich dazu verpflichtet hatte, diese unrechtmäßigen Handlungen nicht fortzuführen. (...)



Trotz der Willkür eines Staates, der vom Paramilitarismus durchdrungen ist und gegen die Werte der Menschheit verstößt, schreiten wir keinen Schritt bei unserem zivilen Kampf für das Leben zurück. Die Erinnerung kann nicht zerstört werden: Wenn sie unsere Gedenkstätten abreißen, werden wir sie wieder aufbauen. Wir werden es den Mördern zeigen, was sie angerichtet haben, damit eines Tages die Welt sie richtet, denn in unserem Land wird weiter Straflosigkeit herrschen (...). Aber die Menschheit und die Menschlichkeit sind präsent, damit das Unrecht nicht ewig die Oberhand behält. Wir bedanken uns für die nationale und internationale Unterstützung. Die Osterzeit ist die Zeit der Erinnerung an den zivilen Widerstand und den Einsatz für das Leben, sie schenkt uns Kraft, um den Weg im Gedenken an unsere Opfer und Toten zu gehen.





Friedensgemeinde von San José de Apartadó, Kolumbien





Übersetzung: Krisalida



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[1] Im Weiler Arenas, der zu San José de Apartadó gehört, ist eine der „Humanitären Zonen“ der Friedensgemeinde eingerichtet. Diese Zonen gelten dem Schutz der Zivilbevölkerung und sind als solche gekennzeichnet. Die Armee kam am 29. März zum Weiler Arenas in die Nähe der Humanitären Zone. Sie verhaftete Jesús und Victor Guisao, zwei der Gemeinde bekannte Campesinos der Region, die auf einer Kakaopflanzung gearbeitet hatten. Danach blieb die Armee weiter in der Nähe der Humanitären Zone. Um 1:15 Uhr wurde sie von der Guerilla attackiert, infolgedessen mussten die ZivilistInnen vor dem Schusswechsel fliehen. Um drei Uhr nachmittags wurde die Armee ein weiteres Mal von der Guerilla angegriffen, als sie das Haus des Bauern Rodrigo Rodríguez passierte. Dabei starb ein Soldat. Der Bauer wurde von der Armee des Todes des Soldaten bezichtigt. (Vgl. Kommuniqué der Friedensgemeinde vom 29. März 2006: En medio del fuego cruzado, pedimos solidaridad para la zona humanitaria de Arenas Altas). Der Text bezieht sich auf diesen Vorfall.



[2] Datum korrigiert, im Original versehentlich 29. April



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