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Das Friedensdorf San José de Apartadó muss leben!
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17-04-07 13:00
San José de Apartadó

By KOLUMBIENTEAM/TAMERA





An alle Freunde und Friedensarbeiter,

Vor kurzem waren acht MitarbeiterInnen aus der Forschungsgemeinschaft Tamera/Portugal in San José de Apartadó und haben an einem internationalen Treffen teilgenommen.
Drei von uns sind jetzt noch unterwegs in Kolumbien. Wir konnten die Menschen in San Josecito unterstützen – zum einen ganz handfest, zum anderen, indem wir uns über eine größere Vision verständigten: eine Vision für ein globales Ausbildungskonzept für den Frieden.

Unser Team wohnte in dem internationalen Haus von San Josecito, das vor allem abends ein beliebter Treffpunkt war. Immer wieder erzählten die Menschen hier ihre Geschichten,
die oft sehr erschütternd sind.
Das Militär war überall präsent. Zeitweise sah man ihre Lagerfeuer in der Nacht in den Hügeln um San Josecito herum. Sie saßen dort im Regen und schienen alles zu beobachten,
was hier im Dorf geschieht. Ein merkwürdiges Gefühl. Leider können die Vertreter von „Peace Brigades International“ zur Zeit nur 10-12 Tage im Monat hier sein, so dass das Dorf teilweise völlig ungeschützt ist. Wenigstens in der Zeit, wo wir hier waren, hatte das Dorf Ruhe vor Übergriffen.
Unsere Zusammenarbeit mit dem Internen Rat der Gemeinschaft war sehr gut. Einer der geistigen Leiter von San José hat sich bedankt für den Aufbau der Solarenergie und er
bedankte er sich für die geistige und spirituelle Arbeit Tameras. Wie er sagt, setzt er auf einen weiteren vertieften Austausch mit uns, da das Friedenswissen, wie er sagt, für die Zukunft der Gemeinschaft notwendig ist.

Den Aufbau der Solaranlage in San Josecito haben wir erfolgreich beendet. Martin Funk aus Tamera, 2 Mitarbeiter der Firma „Efiambiental“ (Cali /Kolumbien) und Männer
aus San Josecito haben hart gearbeitet. Jetzt kann das Dorf mit der gewonnenen Solarenergie 25 Energiesparlampen und kleinere Geräte anschließen: für die neuen Schulgebäude,
das Badehaus, zehn Familienhäuser und ein Notfallhandy. Die Firma „Efiambiental“ hat San Josecito auch eine Trinkwasseraufbereitungsanlage geschenkt für 4000 l Trinkwasser
am Tag. Ein sehr willkommenes Geschenk, denn viele von den Microhandfiltern, die von „Ärzte ohne Grenzen“ aufgebaut wurden, sind leider schon defekt. So trinken hier viele,
vor allem die Kinder, schlechtes Trinkwasser.
Für die Zukunft ist eine autarke Energieversorgung des Dorfes angestrebt. Dafür war die 2kw-Solaranlage ein Anfang und wir denken, daß sie durch den Einsatz von Wasserkleinkraftwerken ergänzt werden muß. Da die Abwässer zur Zeit offen in Gräben über das Gelände fließen, wäre auch der Aufbau von Pflanzenkläranlagen sinnvoll.

Puesto Salud: Irma Fäthke und Andrea Regelmann (Tamera) haben den „Puesto Salud“ eröffnet. Bis sie eine feste Hütte hatten, haben sie die Leute praktisch auf der Straße
oder in ihren Häusern behandelt. Inzwischen kommen die Menschen auch aus den umliegenden Weilern, oft gehen sie stundenlang zu Fuß oder zu Pferd.
Andrea: „Wir freuen uns über das Vertrauen, das die Menschen der Friedensgemeinde uns entgegenbringen. Bisher hatten wir unter anderem mit homöopathischer Behandlung gute Heilungserfolge. Wichtig sind auch die intimeren Gespräche und intensives Zuhören über den Kummer den viele Menschen hier tief in sich tragen.“
Für schwerere Krankheiten wie Malaria werden die Patienten nach Apartado ins Krankenhaus gebracht.

Abendschule: Iris Bijou Lindstedt hat eine Abendschule eröffnet, in der ca. 30 Erwachsene Lesen und Schreiben lernen können. Ein sehr beliebter Treffpunkt für alle und die Menschen hier sind stolz, dass sie etwas lernen können.

Das internationale Treffen: Am 23. März begann das große internationalen Treffen, die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Friedensgemeinde San Jose de Apartadó:
Es trafen sich VertreterInnen aus 15 verschiedenen kolumbianischen Friedensgemeinschaften, indigenen Stämmen, Bauernverbänden, Gemeinschaften von Vertriebenen und Organisationen wie die „Mütter der Verschwundenen“ aus Bogotá.
Es kamen Menschen aus 14 verschiedenen Ländern, darunter VertreterInnen von sozialen Organisationen, Unterstützungsnetzwerken und Universitäten, sowie Stadträte aus
Spanien und Belgien. Aus Tamera waren außer uns noch Sabine Lichtenfels, Benjamin von Mendelssohn und Meike Müller angereist.

Das Treffen begann mit einer Messe am Vorabend von Padre Javier Giraldo für die 168 Ermordeten der letzten 10 Jahre. Für jeden Toten hatten die Kinder und Jugendlichen einen ca.1 Meter großen Pappsarg gebastelt; davor stand jeweils eine brennende Kerze.
Wie soll man das Gefühl, dass uns dabei überkam beschreiben? Ich kann nur sagen: Lasst uns gemeinsam nach vorne schauen. Lasst uns Plätze auf dieser Welt aufbauen,
wo so etwas nie wieder geschieht. Wenn die Menschen von San José Frieden finden, dann gelingt dies auch in anderen Gemeinschaften Kolumbiens, denn San José hat eine Schlüsselrolle. Und dann ensteht ein neuer Kristall, eine neue Information, die dem System der Gewalt etwas entgegensetzten kann. Dafür braucht San José jedoch unsere Hilfe,
unser Wissen und auch Geld!
Am zweiten Tag des Treffens brachen wir auf zu einem sogenannten "Schweigemarsch" in die Stadt Apartadó, insgesamt 30 km an einem sehr heißen Tag. Aus der Musikanlage klang den ganzen Tag nur ein Lied: "Il Silencio." Erinnerung an die Toten. Wir waren ca. 400 Menschen, davon etwa 50 Embera-Indianer, die nicht weit von San José entfernt leben. Wir legten die Särge vor der Staatsanwaltschaft in Apartadó ab, um darauf aufmerksam zu machen, dass keiner der bisherigen Morde je geahndet wurden.
Am nächsten Tag begann hoch in den Bergen in La Union, dem ältesten Dorf der Friedensgemeinde, die zweitägige Konferenz mit Vorstellungen der einzelnen Teilnehmer,
vor allem der Indigenen und Bauern aus Kolumbien. Überall die gleichen Greueltaten! Wenn ich höre, was diesem Menschen angetan wird, bricht mir das Herz.
Kaum eine Gruppe ist so gut organisiert wie San Jose. Wenn es dort gelingen sollte ein Lösungsmodell zu entwickeln dann ist es ein Hoffnungsträger für viele Menschen
und andere Gemeinschaften.
Luis Enrique, ein großer Campesino (Bauer), Mitte 40 und voller Herzkraft, lebt mit 14 weiteren Familien, zusammengewürfelt aus ganz Kolumbien, in einer Gemeinschaft von Vertriebenen auf hartem unfruchtbaren Boden, ohne Wasser und ohne Geld. Er ist einer der wenigen, die sich trauen, den Mund aufzumachen. Aufgrund dessen lebt er gefährlich. Immer wieder muss er nachts seine Familie verlassen, um nicht von der Polizei erwischt zu werden und um sich und seine Familie zu ernähren. Sein Leben steht exemplarisch
für das Leben von 3 Millionen Flüchtlingen in Kolumbien.
Wie sollen aus solchen Schicksalen Töchter und Söhne des Friedens entstehen? Und denoch steht Luis Enrique nicht als Opfer vor uns, im Gegenteil, er leuchtet und ist voller Kraft, als wäre ein Teil seiner Seele in einer anderen, einer besseren Welt.
Während der Erzählungen fühle ich mich an andere Krisengebiete erinnert, z.B. an den Konflikt in Israel/Palästina. Aber auch die deutsche Geschichte rückt mir nah. Oben im Norden Kolumbiens gibt es Massengräber, Ausgangssperre, ein Informantennetz überall, ein systematisch geplanter Krieg vor allem von Seiten des Paramilitär.

Weitere Vorträge zur politischen Situation des Landes gab es von Padre Javier Giraldo (Jesuitenpater und enger Vertrauter der Friedensgemeinde), Alirio Uribo (Anwalt),
Ivan Cepeda. (Autor und Menschenrechtsaktivist) und Gloria Cuartas (Koordinatorin der linken Oppositionsbewegung und ehemalige “Bürgemeisterin des Friedens” von Apartadó).

Padre Javier Giraldo, Jesuitenpater und enger Vertrauter der Friedensgemeinde, sprach über den Aufbau der “Universität des Widerstands”: Eine Initative von 15 Gemeinschaften des Landes zum Wissenaustausch, zur Ausbildung und zum Aufbau einer einheitlichen Friedenskraft. Es ist eine reisende Universität, ohne Titel und ohne klassischen Unterricht, die seit 2004 besteht. Im Zentrum geht es um die vier notwendigsten Bereiche des Lebens: Ernährung, Ausbildung, Gesundheit und Recht. Im Rahmen der Universität des Widerstandes haben die Gemeinschaften beschlossen, eine Minimalproduktion von Lebensmitteln aufzunehmen, Saatgut auszutauschen, 60 indigene Juristen auszubilden und die Ausbildungssituation in allen Gemeinschaften zu analysieren.
Im Rahmen der Analyse fragten sie: Was sind eure Träume?
Dabei wurde klar, dass sich viele wünschen, dass die Jugendlichen und Kinder es einmal besser haben sollen.
An diesem Punkt meldete sich auch Sabine Lichtenfels, Mitbegründerin von Tamera, zu Wort, um die die Idee des Globalen Campus vorzustellen.
„Mein Denken kreist um die Frage, was wir tun können, um der Friedensgemeinde effektiven Schutz geben zu können und sie zu stärken.(...) Wir sind herausgefordert,
globale Ausbildungsstätten zu schaffen, in denen wir Friedenswissen auf allen Ebenen erlernen können. Das ist eine Art des lebendigen und effektiven Widerstandes,
den wir der Globalisierung der Gewalt entgegensetzen können. Es ist kein Kampf gegen bestehende Systeme, der uns immer nur schwächt, sondern der entschlossene Aufbau einer Kraft, die höher ist als die Gewalt.“
Unser Team war sehr beeindruckt und bewegt von der Kraft der Gemeinschaft in San José und Sabine Lichtenfels schlug dem Internen Rat die Idee eines internationalen Treffens
in San Josecito vor. Dies als ein Schritt zum Aufbau des „Globalen Campus“, einer weltweit vernetzten Friedensausbildung für junge Menschen aus Krisengebieten. Eine Ausbildung, die sowohl praktisches Überlebenswissen umfasst wie Solartechnologie, Lebensmittelanbau, Wasseraufbereitung und Low-Cost-Architektur, als auch das Wissen über Konfliktlösung, Gemeinschaftsaufbau und Kommunikation an den Punkten, an denen man normalerweise schweigt.
Ein gemeinsamer, globaler Ausbildungsplan kann helfen, dass viele Jugendliche, die sich ein Diplom wünschen und dafür auch die Gemeinschaft verlassen würden, in der Gemeinschaft. Ein regelmäßiges Treffen mit Menschen aus Indien, Palästina/Israel und anderen Ländern kann auch helfen, eine globale Vision zu sehen und die Idee für ein Friedensdorf gemeinsam zu entwickeln.

Das geplante Treffen soll 2008 stattfinden und wir werden noch konkreter darüber berichten.

Mehr dazu erfahren Sie demnächst auf unserer Website www.sos-sanjose.org oder direkt auf unserer Sommeruniversität „Global Campus “ vom 19.-28.7.2007
Gloria Curtas und ein Vertreter aus San Jose de Apartadó haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

Im Namen unseres Teams möchten wir allen herzlich danken, die bisher San José de Apartadó und unsere Arbeit unterstützt haben. Wir haben einen Fonds eingerichtet,
aus dem die Reise und die Solaranlage getragen werden und der es auch möglich macht, dass Gloria Cuartas und ein Vertreter von San José zur Sommeruniversität kommen können.
Vor unserer Reise mussten wir einen Kredit von 20.000 € aufnehmen, um die aktuellen Kosten zu decken. Wir waren überzeugt, dass unser Vorhaben und die Reise richtig und notwendig waren und dass es deshalb Menschen geben wird die unsere Arbeit finanziell unterstützen.
Wir danken für jeden kleinen oder großen Betrag, den Sie dazu beisteuern können.

- Photos von San José de Apartadó, dem internationalen Treffen und der 10-Jahresfeier finden Sie auf www.cdp.sanjose unter „Galería Fotográfica“.

- Die Broschüre „San José Solar“- ein Hilfsprojekt im Namen von Grace - finden Sie hier zum „downloaden“. Sie enthält in aller Kürze die Geschichte unsere Zusammenarbeit mit San Jose de Apartadó,
aktuelle Nachrichten und dient dazu Menschen die unsere Arbeit noch nicht kennen zu informieren.

Wir grüßen herzlichst aus Tamera/Portugal,
Katja Long, Andrea Regelmann, Martin Funk, Iris Lindstedt und Irma Fäthke
Das Kolumbienteam


www.sos-sanjose.org;
Monte do Cerro, 7630 - Colos, Portugal
Tel: ++351 283 635 484; Fax: - 374


Spendenkonten:

Deutschland:
Netzwerk für eine Humane Erde e.V., GLS – Bank Bochum
Konto Nr: 400 141 9100, BLZ: 430 609 67
Stichwort: San José Solar

Schweiz:
Stiftung Förderfond der Freien Gemeinschaftsbank Basel
Konto-Nr. 400.631.3
Kontoinhaber: Verein Netzwerk/Tamera
Clearing Nr: 8392
IBAN: CH 20 08 39 2000 0040 06313
BIC: RAIFCH22XXX
Stichwort: San Jose Solar (Die Stiftung Förderfond kann Spendenquittungen ausstellen)






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