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Das Friedensdorf San José de Apartadó muss leben!
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„Wir sind geboren, um eine andere Welt zu schaffen“

Kolumbien. Inmitten von Gewaltorgien keimt Hoffnung – die Staat und Guerilla vernichten wollen.

„Wir wollen den Widerstand aufrecht erhalten“, sagt Jesus von der Friedensgemeinde San José de Apartado im Norden Kolumbiens. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht hilft, ist das sein Todesurteil.

 

Erdöl, Kohle, reiche Wasserreservoirs und Drogenhandel machen den Norden Kolumbiens zur Todeszone. Militär, Paramilitär, Polizei und Guerilla führen seit über 40 Jahren Krieg um die strategisch wichtige Region. Dabei haben sie Tausende Zivilisten getötet und 8 Millionen von ihrem Fleck Land vertrieben. 5 Millionen Kolumbianer leben im Exil, 2 Millionen davon als politische Flüchtlinge. Friedensgemeinde: Ein Weg, sich aus dem Konflikt herauszuhalten In der Todeszone geblieben sind 1350 Bewohner von San José de Apartado, einer von 20 kolumbianischen Friedensgemeinden (Comunidad de Paz).

San José wurde am 23. März 1997 gegründet mit dem Ziel, im Konfliktgebiet ein weitgehend autarkes Dorf als positives Zukunftsmodell für die Region aufzubauen. Die Bewohner leisten unbewaffnet Widerstand und verweigern die Kooperation mit jeder der Kriegsparteien; weder liefern sie ihnen Nahrungsmittel, noch bieten sie Unterschlupf oder Informationen. Sie selbst verzichten auf Waffen. Unterstützt und begleitet wird San José durch Gloria Cuartas, die 1996 von der Unesco als „Bürgermeisterin für den Frieden“ ausgezeichnet wurde; heute ist Cuartas Generalsekretärin der linken Partei „Frente Social y Politico“ und sagt: „San José ist unsere Hoffnung auf ein friedliches Kolumbien.“ Auch Amnesty International, Peace Brigades und Ärzte ohne Grenzen anerkennen die Bemühungen der Gemeinschaft. Im März 2004 hat sogar das kolumbianische Verfassungsgericht effektive Schutzmassnahmen für San José gefordert.

 

Opfer der Gewalt

Für ihre mutige Initiative bezahlen die Dorfbewohner einen hohen Preis. Sowohl Angehörige der Armee und ihre paramilitärischen Verbündeten, als auch die Revolutionären Streitkräfte der „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (Farc) marschieren immer wieder ein ins Dorf, plündern, morden. Seit der Gründung der Friedensgemeinde haben sie 164 Bauern, Frauen und Kinder teilweise bestialisch getötet. Akute Bedrohung Statt San José zu schützen, warf der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe Vélez kürzlich seinen Bewohner öffentlich die Kooperation mit Guerilla-Gruppen vor, was sie de facto zu Vogelfreien macht. Seit Juni 2005 hat das kolumbianische Militär begonnen, eine Nachricht an internationale Botschaften, unter anderem diejenige der USA, zu versenden, in der diese davor gewarnt werden, die Menschen von San José in irgendeiner Form zu unterstützen. Die gefälschten Dokumente unterstellen, dass die Morde von den Dorfbewohnern selbst begangen worden sind; Cuartas sei eine Guerillera der Farc. Der nächste logische Schritt der kolumbianischen Regierung wird sein, die Friedensgemeinde unter Druck zum Verlassen der Region – dem eigentlichen, erklärten Ziel der Regierung – zu zwingen. Im Falle der Weigerung werden sie eliminiert – wobei dies von der Regierung als erfolgreicher Schlag gegen den Terrorismus deklariert werden dürfte.

 

Weltgemeinschaft für den Frieden

Trotz dieser Bedrohung sind die Bewohner San Josés fest entschlossen, ihre Heimat nicht zu verlassen. San José beschränkt sich nicht darauf, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Das grosse Ziel der Gemeinde ist es, auch auf anderen Gebieten einen eigenständigen Weg zu gehen. So wollen sie zum Beispiel in der Nahrungsmittelproduktion und in der Energieversorgung autark werden. „Wir säen Samen der Hoffnung, damit unser grosser Traum vom Frieden eines Tages blühen kann“, sagt Jesus vom Inneren Rat San Josés. Dank europäisch-kolumbianischer Kooperation könnte der grosse Traum dereinst Tatsache werden. Vertreter San Josés reisten im August zusammen mit Gloria Cuartas nach Tamera, einer Forschungsgemeinschaft für eine globale Friedenskultur in Portugal, wo sie zusammen mit Wissenschaftern, Politikern und Friedensarbeitern nach Lösungen suchten. Die gemeinsame Vision ist, ein ökonomisches und ökologisches Zukunftsmodell „San José Solar“ mit ständiger internationaler Präsenz zu schaffen. So leitet San José eine hoffnungsvolle Entwicklung ein, die beispielhaft werden könnte: In einem Gebiet, in welchem der Staat keine Ordnung mehr zu garantieren vermag, will sich die Bauernbevölkerung auf ihre eigenen Kräfte und Ideen verlassen. Chance für die Regierung Die internationale Unterstützung könnte ihnen einen gewissen Schutz bieten, indem sie die öffentliche Aufmerksamkeit auf das mutige Experiment der Bewohner von San José lenkt. Zu diesem Zweck wird von verschiedenen Organisationen eine breite Informationskampagne in Europa gestartet. Die Zukunft wird entscheiden, ob das die kolumbianische Regierung und die verschiedenen bewaffneten Gruppen davon abhalten wird, ihre Drohungen gegen das Friedensdorf San José wahr zu machen.

Die Alternative wäre, dass die kolumbianische Regierung die Chance ergreift, San José als ein zukunftsträchtiges Entwicklungsmodell zu erkennen und sich in der Weltöffentlichkeit seine Unterstützung als eigenen Verdienst anrechnen zu lassen.

www.sos-san-jose.org

Vom 21. bis 26. September lädt das Friedensdorf ein zu einem internationalen Treffen. Für den 21. September haben Solidaritätsgruppen vor kolumbianischen Botschaften Aktionen angekündigt: Hungerstreiks, Mahnwachen und Aufführungen von Theatergruppen und Chören.

Von Andreas Krebs

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